Aus Richtung Blankenburg kommend habe ich keine Umleitungsankündigungen wahrgenommen. Auch gab es direkt an der Absperrung keinen Hinweis, wielange die Straße denn dicht sei. Was ich auch vermisst habe sind Vorankündigungen wie “Halbseitige Straßensperrung von … bis voraussichtlich …”. Das ist meines Erachtens nicht zu viel verlangt. Schon garnicht bei einer solch essentiellen Straße wie die B81, auf der jeden Tag Tausende Pendler unterwegs sind.
Wahrscheinlich gab’s ne Vorankündigung in der Volksstimme (eine lokale Regionalzeitung). Aber man kann ja nicht davon ausgehen, dass jeder diese Zeitung im Abo hat. Auf der Website der Volksstimme fand ich dann einen Bericht über die Sperrung. Dieser wurde aber auch erst heute morgen kurz vor 7:00 Uhr ins Netz gestellt.
Ich denke, so langsam ist klar, worauf ich hinaus will.
Ich stieg heute morgen wie jeden Tag ins Auto und fuhr los. Das war so gegen 6:38 Uhr. Bei sanften Klängen aus dem Autoradio (an dieser Stelle einen Gruß an die GEZ: das Radio ist angemeldet) glitt ich leichten Fußes mit knapp 100 km/h über die Landstraßen.
Kurz vor der Ampel Wilhelmshöhe sah ich ein Baustellenschild. Da aber im Nachbarort Langenstein an einigen Straßen gebaut wird, hab ich mir nichts dabei gedacht. An der roten Ampel ahnte ich auch noch nichts. Als sich dann aber die Kolonne in Bewegung setzte, tauchte plötzlich dieses andere Baustellenschild auf, mit Absperrung und Sackgassenschild. Und nun? Wieder zurück nach Blankenburg auf die B6n nach Westerhausen und dann über Harsleben? Welch ein Umweg, wenn man die Kirchentürme Halberstadts fast schon sehen kann. So kurz vorm Ziel umzudrehen wäre bitter.
Interessanterweise drehte jedoch niemand um. Ganz im Gegenteil. Ein Fahrzeugführer nach dem anderen umfuhr die Absperrung mit einer Selbstverständlichkeit, die zum Gruppenzwang animierte. Eingereiht in diese sich mit 50 km/h fortbewegenden Schlange, ging es nach ein paar Metern links in einen Landwirtschaftsweg, dann ein paar Mal rechts und links und links und rechts und Halberstadt rückte in greifbare Nähe. Wohlwissend um die mich erwartenden Staus “abkürzender” Fahrzeuge, fuhr ich über den Altstadtring, anstatt die Hauptverkehrsadern der Stadt zu nutzen.
Nach 31 Minuten erreichte ich dann endlich, in einer Mischung aus genervt und relaxed, meinen Arbeitsplatz.
Das Ganze soll jetzt ca. vier Wochen so weiter gehen. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Landwirtschaftsweg (der im Moment das Verkehrsaufkommen einer Autobahn aufweist) durch Beamte in grün von seiner Last befreit wird. Also werde ich in nächster Zeit vorsorglich über die B6n fahren.

